Flugtage, Airshows und Luftfahrtmessen

Zwischen dem Flugplatzfest eines Vereins und einer internationalen Fachmesse liegen Welten, aber beide folgen einem wiederkehrenden Rhythmus statt einem festen Kalenderblatt, und wer den Rhythmus kennt, findet den aktuellen Termin in wenigen Minuten.

Zuschauer hinter einer Absperrung blicken auf ein vorbeifliegendes Flugzeug

Welche Arten von Veranstaltungen es gibt

Fachmesse mit Publikumstagen
Die ILA in Berlin ist die größere der beiden deutschen Leitmessen: eine internationale Luft- und Raumfahrtausstellung, die vor allem Fachbesucher anspricht und alle zwei Jahre, in geraden Jahren und meist im Juni, auf dem Berlin ExpoCenter Airport neben dem Flughafen BER stattfindet. Die AERO in Friedrichshafen ist die Messe der Allgemeinen Luftfahrt: kleiner, jährlich im Frühjahr am Bodensee, und für Privatinteressierte oft ergiebiger, weil dort mehr Baumuster zum Anfassen stehen. Beide haben feste Publikumstage mit eigenem Flugprogramm.
Flugplatzfest eines Vereins
Die häufigste Form: Ein Luftsport- oder Segelflugverein öffnet für ein Wochenende sein Gelände, meist im Sommerhalbjahr. Der Eintritt ist gering oder frei, das Programm konzentriert sich auf das, was der Verein selbst fliegt, also Segelflug, Ultraleicht und gelegentlich ein Oldtimer aus der eigenen Halle. Organisiert wird ehrenamtlich, entsprechend schwankt die Größe von Jahr zu Jahr.
Großes Oldtimer-Treffen
Die bekannteste deutsche Adresse ist die Hahnweide bei Kirchheim unter Teck, wo historische Flugzeuge aus ganz Europa zusammenkommen. Selbst dieses etablierte Treffen zeigt, wie wenig sich auf einen festen Rhythmus verlassen lässt: Ursprünglich alle zwei Jahre veranstaltet, liegen zwischen den jüngeren Ausgaben inzwischen unterschiedlich lange Pausen.
Tag der offenen Tür, militärisch
Fliegerhorste der Bundeswehr öffnen unregelmäßig und kündigen das meist erst Monate vorher an. Seit den international verschärften Sicherheitsauflagen für Flugvorführungen treten dabei kaum noch Kunstflugstaffeln auf; im Vordergrund stehen Standvorführungen und ein Rundgang über das sonst gesperrte Gelände.

Wo der aktuelle Termin steht

Die großen Messen legen ihre Termine Jahre im Voraus fest, weil die Hallenbuchung so weit vorausgeplant wird; ein Blick auf die Seite der Messe genügt. Bei den kleinen Flugplatzfesten ist es umgekehrt: Der Verein legt den Termin oft erst im laufenden Jahr fest, abhängig von Helferlage und Kalenderkonflikten mit anderen Vereinen in der Umgebung.

Die verlässlichste Übersicht über die kleineren Veranstaltungen führen die Verbände. Der Deutsche Aero Club (DAeC), der Dachverband der Luftsportvereine, veröffentlicht einen laufenden Terminkalender, ebenso die AOPA Germany für die Allgemeine Luftfahrt. Für einen bestimmten Flugplatz zählt die Vereinshomepage oder der Aushang am Platz oft mehr als eine bundesweite Liste, weil kleine Feste dort zuerst bekanntgegeben werden.

Ein Flugtag von der Anreise bis zum Abflug

  1. Anreise früh planen. Nicht das Programm ist der Engpass, sondern die Zufahrt: Ein einspuriger Feldweg verkraftet keine tausend Autos gleichzeitig, und wer nach Beginn des Flugprogramms ankommt, steht oft noch in der Schlange, wenn die ersten Vorführungen bereits laufen.
  2. Parken auf der Wiese. Geparkt wird auf abgemähten Feldern neben dem Platz, eingewiesen von Vereinsmitgliedern in Warnwesten. Bei Regen wird der Boden schnell weich, festes Schuhwerk hilft schon beim Aussteigen.
  3. Vormittag: Static Display und Stände. Flugzeuge stehen zum Anschauen am Boden, dazu Essensstände und meist ein Infostand des Vereins für Mitgliedschaft und Schnupperflüge.
  4. Nachmittag: das Flugprogramm. Die Vorführungen liegen fast immer am Nachmittag, wenn die Thermik trägt und die meisten Besucher eingetroffen sind. Das ist der Höhepunkt und zugleich der Moment mit dem größten Andrang am Zaun.
  5. Wetter entscheidet mit. Ein bedeckter Himmel sagt nichts über den Flugbetrieb; entscheidend sind Wolkenuntergrenze und Seitenwind. Einzelne Vorführungen fallen bei schlechtem Wetter aus, ohne dass die Veranstaltung insgesamt abgesagt wird.

Was man mitnimmt

Gehörschutz für Kinder gehört ganz oben auf die Liste. Strahltriebwerke und Kolbenmotoren im Tiefflug sind lauter, als die meisten Eltern schätzen, gerade weil eine Maschine bei einem Vorbeiflug nur für Sekunden nah ist und der Lärm dann schlagartig kommt. Ohrstöpsel für Erwachsene und passende Kapselgehörschützer für Kinder kosten wenig und lassen sich für den Rest des Tages einfach um den Hals hängen, wenn sie nicht gebraucht werden.

Sonnenschutz ist der zweite Punkt, der leicht vergessen wird: Ein Flugplatz ist offenes Gelände ohne einen einzigen Baum, und ein Nachmittag am Zaun ohne Kopfbedeckung ist unangenehmer, als es beim Losfahren aussah. Bargeld gehört ebenfalls in die Tasche, weil viele Vereinsstände keine Kartenzahlung anbieten. Und festes Schuhwerk, weil der Boden Wiese oder Rollfeld ist, keine befestigte Fläche.

Fotografieren am Flugtag

Wer fotografieren will, sucht sich den Platz entlang der Absperrung, an dem Sonne und Vorführachse zueinander passen. Die Grundlagen, Sonnenstand und Windrichtung, mit der auch die Betriebsrichtung wechselt, sind bei einem Flugtag dieselben wie am Verkehrsflughafen; sie stehen unterFlugzeuge beobachten. Der Unterschied ist die Nähe: Weil die Absperrung bei einem kleinen Flugplatzfest oft nur wenige Meter von der Bahn entfernt liegt, reicht dort ein deutlich kürzeres Objektiv als am großen Flughafen. Wer die Baumuster am Himmel nicht auf Anhieb erkennt, findet die Unterscheidungsmerkmale unterFlugzeuge erkennen.

Sicherheit: warum die Absperrung Pflicht ist

Kunstflug ist in Deutschland unterhalb von 450 Metern über Grund sowie über dichtbesiedelten Gebieten und Menschenansammlungen grundsätzlich verboten. Eine Flugvorführung vor Publikum ist damit ohne Ausnahmegenehmigung der zuständigen Luftfahrtbehörde gar nicht zulässig, und genau diese Genehmigung legt für jede einzelne Veranstaltung fest, wie nah die Absperrung an die Bahn rücken darf und welche Figuren erlaubt sind.

Warum die Linie am Zaun keine Formsache ist: Bis zum Flugtagunglück von Ramstein 1988, bei dem eine missglückte Kunstflugfigur der italienischen Staffel Frecce Tricolori 70 Menschen das Leben kostete, gab es weltweit keine einheitlichen Sicherheitsabstände für Flugvorführungen. Seither gilt zwischen Publikum und aktiver Bahn ein Mindestabstand in der Größenordnung von 150 Metern, während einer Kunstflugvorführung von rund 250 Metern, und Kunstflugmanöver werden grundsätzlich von den Zuschauern weg statt auf sie zu geflogen. Militärische Kunstflugstaffeln treten seither in Deutschland nur noch in Ausnahmefällen auf.

Wer den Wechsel vom Zuschauen zum Mitfliegen sucht, findet ihn unterRundflug und Schnupperflug, und viele Vereine, die Flugplatzfeste ausrichten, sind über denModellflug mit der örtlichen Modellbauszene verbunden, die an denselben Wochenenden oft mitfliegt.

Häufige Fragen

Was kostet der Eintritt zu einem Flugtag?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht, weil die Bandbreite von umsonst bis zu einem gestaffelten Messeeintritt reicht. Vereinsfeste finanzieren sich meist über den Verkauf an den Ständen statt über die Kasse am Tor. Die großen Fachmessen verlangen dagegen für Fachbesucher, Tagesgäste und Dauerkarten unterschiedliche Preise, die sich von Ausgabe zu Ausgabe ändern. Verbindlich ist nur die Auskunft auf der Seite des jeweiligen Veranstalters.

Braucht man bei einem Tag der offenen Tür einen Ausweis?

Häufig ja. Ein militärischer Fliegerhorst bleibt auch am Tag der offenen Tür bewachtes Gelände, und am Einlass wird meist ein Lichtbildausweis verlangt, mitunter zusätzlich eine Taschenkontrolle. Das unterscheidet ihn deutlich vom zivilen Flugplatzfest, wo in aller Regel niemand nach Papieren fragt. Etwas mehr Zeit für die Einlasskontrolle einzuplanen, lohnt sich trotzdem.

Kann man an einem Flugtag spontan mitfliegen?

An vielen kleineren Flugplatzfesten ja: Vereine bieten dort oft Rundflüge ohne Voranmeldung an, allerdings mit Wartezeit. Bei großen Messen wie der ILA ist das eher die Ausnahme, weil der Luftraum über dem Gelände während der Vorführungen gesperrt ist. Wer sicher mitfliegen will, bucht vorher bei einem Verein in der Nähe.

Sind Hunde bei einem Flugplatzfest erlaubt?

Bei kleinen Vereinsfesten meist ja, an der Leine und mit Blick auf den Lärm: Startende Motoren und ein Formationsüberflug erschrecken auch ruhige Hunde. Auf dem Gelände einer großen Messe oder eines militärischen Tags der offenen Tür sind Hunde dagegen aus Sicherheitsgründen häufig ganz ausgeschlossen. Ein Blick auf die Regeln des Veranstalters vor der Fahrt erspart die Enttäuschung am Einlass.

Darf man eigenes Essen und Trinken mitbringen?

Bei einem Vereins-Flugplatzfest wird das selten kontrolliert, ist aber auch nicht der Sinn der Sache, weil der Verkauf an den Ständen die Vereinskasse und damit den nächsten Flugtag finanziert. Größere kommerzielle Veranstaltungen untersagen eigene Verpflegung dagegen meist ausdrücklich. Wasser für einen Tag ohne Schatten ist trotzdem sinnvoll und wird fast überall toleriert.

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