Flugsimulation am Rechner

Ein Flugsimulator ist die einzige Möglichkeit, ein Verkehrsflugzeug zu fliegen, ohne dafür ausgebildet zu sein. Die Frage ist nur, wie weit man gehen will: Mit Maus und Tastatur geht es los, und nach oben ist die Skala offen.

Heimischer Flugsimulator-Arbeitsplatz mit Joystick, Schubhebel und Bildschirmen

Die Programme

Wenige Simulatoren teilen den Markt unter sich auf, und sie zielen auf unterschiedliche Interessen.

Microsoft Flight Simulator
Der visuell aufwendigste. Bildet die gesamte Erde aus Satellitendaten nach, wodurch sich die eigene Gegend wiedererkennen lässt. Der Einstieg ist einfach, die Systemanforderungen sind hoch.
X-Plane
Berechnet die Aerodynamik aus der Form des Flugzeugs statt aus hinterlegten Tabellen. Gilt deshalb bei vielen als das ehrlichere Flugverhalten, besonders in Grenzbereichen wie dem Strömungsabriss.
DCS und Prepar3D
Spezialisiert: DCS auf Militärluftfahrt mit sehr detailliert nachgebildeten Systemen, Prepar3D auf professionelles Training. Beide verlangen Einarbeitung und belohnen sie.
Segelflug- und Hubschraubersimulation
Eigene Nischen mit eigenen Programmen. Segelflug lebt von der Simulation der Thermik, Hubschrauber von der Steuerung, die ohne Erfahrung binnen Sekunden in einer Drehung endet.

Welche Hardware sich lohnt

Die übliche Reihenfolge beim Aufrüsten ist nicht die, die man erwartet. Wer Geld ausgibt, sollte es in dieser Reihenfolge tun.

  1. Ein Joystick oder Sidestick. Der größte einzelne Sprung. Fliegen mit der Maus fühlt sich nie richtig an, weil die Rückstellkraft fehlt.
  2. Pedale. Für das Seitenruder, und damit für alles, was nicht geradeaus geht: Start, Seitenwind, Kurvenflug. Sie verändern das Fliegen stärker als ein teureres Primärsteuer.
  3. Separater Schubhebel. Lohnt sich, sobald die Leistung ständig nachgeführt wird, also im Platzverkehr und beim Anflug. Wer Strecke fliegt und den Schub einmal setzt, merkt den Unterschied zum Regler am Stick kaum. Welche Steuergeräte es gibt und was ihren Preis ausmacht, steht unter Steuergeräte.
  4. Ein Yoke statt Joystick, wenn hauptsächlich Verkehrsflugzeuge oder klassische Kleinflugzeuge geflogen werden. Dort entspricht das Steuerhorn dem Original.
  5. Kopfverfolgung oder VR. Umschauen im Cockpit, ohne die Hände von der Steuerung zu nehmen. Verändert das Erlebnis stärker als jede Grafikeinstellung.

Der häufigste Fehlkauf ist die stärkere Grafikkarte. Ein Simulator berechnet Gelände, Wetter und Systeme im Voraus, und dabei ist meist der Prozessor am Anschlag, während die Grafikkarte wartet. Wer ruckelt, prüft zuerst Arbeitsspeicher und Sichtweite, nicht die Auflösung.

Der erste Flug

Nicht mit dem Verkehrsflugzeug anfangen. Ein einmotoriges Kleinflugzeug auf einem Platz in der eigenen Gegend, schönes Wetter, kein Wind: aufrollen, Vollgas, bei ausreichender Geschwindigkeit sanft ziehen, in etwa 300 Metern Höhe eine Platzrunde fliegen und wieder landen. Das dauert zehn Minuten und beantwortet die Frage, ob man dabeibleibt, besser als jeder Testbericht.

Wer danach mehr will, findet in den Onlinenetzwerken den nächsten Schritt: Dort fliegen Menschen gemeinsam, mit echter Flugsicherung am anderen Ende des Funks. Der Ton ist rauer als im Einzelspieler, der Lerneffekt größer.

Wie realistisch ist das?

Realistischer, als die meisten annehmen, und in einem entscheidenden Punkt grundsätzlich anders. Verfahren, Instrumentenkunde, Navigation und Funkverkehr lassen sich am Rechner ernsthaft lernen; das ist der Grund, warum Flugschülerinnen und Flugschüler solche Programme zum Üben nutzen.

Was fehlt, sind die Kräfte. Kein Simulator ohne bewegte Plattform vermittelt, wie sich eine Böe anfühlt oder was im Körper passiert, wenn das Flugzeug abkippt. Genau diese Empfindungen sind aber ein Teil dessen, woran erfahrene Piloten den Zustand ihres Flugzeugs erkennen. Der Simulator schult den Kopf, nicht den Bauch.

Weiter im Einzelnen

Steuergeräte
Joystick, Yoke, Schubhebel, Pedale: was sie unterscheidet, was den Preis ausmacht und in welcher Reihenfolge sich der Kauf lohnt.
Der erste Flug
Eine Platzrunde vom Rollhalt bis zum Ausrollen, Schritt für Schritt, samt der Fehler, die dabei jeder einmal macht.

Häufige Fragen

Welcher Flugsimulator ist der richtige für den Anfang?

Für den Einstieg der Microsoft Flight Simulator, weil er die eigene Gegend aus Satellitendaten nachbildet und der erste Flug damit sofort etwas bedeutet. Wer sich für Flugmechanik interessiert und weniger für die Aussicht, ist bei X-Plane besser aufgehoben. Beide lassen sich mit Tastatur ausprobieren, bevor man Geld für Hardware ausgibt.

Was für einen Rechner brauche ich?

Moderne Simulatoren sind vor allem hungrig nach Prozessorleistung und Arbeitsspeicher, weniger nach der stärksten Grafikkarte. 16 Gigabyte Arbeitsspeicher sind das praktische Minimum, eine SSD ist Pflicht, und eine schnelle Internetleitung hilft, weil das Gelände laufend nachgeladen wird. Ältere Simulatoren laufen dagegen auf fast allem.

Kann man mit dem Simulator wirklich fliegen lernen?

Verfahren, Instrumentenkunde, Navigation und Funk ja, und Flugschüler nutzen ihn genau dafür. Was fehlt, sind die Kräfte auf den Körper und das Gefühl im Steuer. Als Vorbereitung auf eine Flugstunde spart er Geld, als Ersatz taugt er nicht.

Was kostet ein vernünftiger Einstieg?

Das Programm selbst bewegt sich im Bereich eines normalen Computerspiels. Ein einfacher Joystick kostet ungefähr so viel wie ein guter Controller, ein Set aus Steuerhorn und Schubhebel ein Vielfaches davon. Sinnvoll ist, mit dem Joystick zu beginnen und erst nachzurüsten, wenn man merkt, dass man dabeibleibt.