Flugzeuge und ihre Bauarten

„Flugzeug“ reicht von einem 120 Kilogramm schweren Ultraleicht bis zu einem Großraumjet mit 350 Tonnen Startmasse. Dazwischen liegen Bauarten, die für sehr verschiedene Aufgaben entstanden sind, und man erkennt sie am Bau, wenn man weiß, worauf zu achten ist.

Einmotoriges Propellerflugzeug und Segelflugzeug nebeneinander auf einem Flugplatz

Nach Antrieb

Segelflugzeug
Kein Antrieb, sehr lange und schmale Flügel. Gewinnt Höhe ausschließlich aus Aufwind. Die extreme Flügelstreckung ist das eindeutigste Merkmal am Himmel, dazu die glatte, weiße Oberfläche.
Kolbenmotorflugzeug
Propeller, angetrieben von einem Kolbenmotor. Der Großteil der kleinen Luftfahrt, von der Schulmaschine bis zum viersitzigen Reiseflugzeug. Erkennbar am unregelmäßigen, nageligen Motorgeräusch.
Turboprop
Propeller, angetrieben von einer Turbine. Effizienter als ein Strahljet auf kurzen Strecken und in geringer Höhe, deshalb im Regionalverkehr und bei Frachtflügen verbreitet.
Strahlflugzeug
Mantelstromtriebwerke, meist unter dem Flügel aufgehängt. Der Standard im Linienverkehr ab Mittelstrecke. Je größer der Durchmesser des Einlaufs im Verhältnis zum Rumpf, desto moderner ist das Triebwerk in aller Regel.
Hubschrauber
Erzeugt Auftrieb und Vortrieb mit demselben rotierenden Flügel. Dadurch kann er stehen bleiben, was ihn für Rettungsdienst, Polizei und Arbeitsflüge unersetzlich macht, und er zahlt dafür mit Reichweite, Geschwindigkeit und Betriebskosten.

Nach Größe im Linienverkehr

KlasseSitzeErkennungszeichenTypische Muster
Regionalflugzeugca. 50 bis 100Ein Gang, kurzer Rumpf, oft Propeller oder HochdeckerATR 72, Embraer E-Jet
Schmalrumpfca. 150 bis 240Ein Mittelgang, Triebwerke unter dem FlügelAirbus A320, Boeing 737
Großraumab ca. 250Zwei Gänge, dicker Rumpf, sehr große TriebwerkeAirbus A350, Boeing 787

Die Schmalrumpfflugzeuge stellen den größten Teil des weltweiten Verkehrs. Wer an einem deutschen Flughafen steht und wahllos auf ein startendes Flugzeug zeigt, zeigt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine A320- oder 737-Familie.

Woran man sie unterscheidet

Drei Merkmale genügen für die meisten Fälle. DieFlügelstreckung, also das Verhältnis von Spannweite zu Flügeltiefe: Je länger und schmaler, desto langsamer und effizienter ist das Muster ausgelegt, mit dem Segelflugzeug am einen Ende und dem Kampfflugzeug am anderen.

Die Pfeilung, also wie stark die Flügel nach hinten geneigt sind: Sie ist nötig, sobald ein Flugzeug in die Nähe der Schallgeschwindigkeit kommt. Ein ungepfeilter Flügel bedeutet ein langsames Muster, egal wie groß es ist.

Und die Zahl der Gänge im Rumpf, die im Linienverkehr die gesamte Größenklasse verrät, ohne dass man Sitze zählen muss.

Vom Boden aus: Steht der Flügel oben am Rumpf, ist es fast immer ein kleines Flugzeug oder ein Transportflugzeug, weil beide viel Bodenfreiheit brauchen. Sitzt er unten (Tiefdecker), spricht das für Reise- und Verkehrsflugzeuge. Streng genommen heißt nur der aufgesetzte Flügel Hochdecker; liegt er bündig mit der Rumpfoberkante, wie bei den großen Transportern, ist es ein Schulterdecker.

Was fliegt da über mir?

In Reiseflughöhe sind Einzelheiten nicht mehr zu erkennen, dafür aber Umrisse und Kondensstreifen. Vier Streifen bedeuten vier Triebwerke, was heute selten und deshalb eine gute Spur ist, solange die Luft feucht genug ist, dass jedes Triebwerk einen eigenen Streifen zieht. Zwei sehr dicke, dicht beieinander liegende Streifen sprechen für ein modernes Großraumflugzeug. Der ganze Bestimmungsweg steht unterFlugzeuge erkennen.

Deutlich niedriger, im An- und Abflug, entscheidet der Grundriss: Ein Rumpf, der im Verhältnis zur Spannweite lang und dünn wirkt, gehört zur Schmalrumpfklasse; wirkt er gedrungen und dick, ist es ein Großraumjet im Landeanflug, der nur wegen der Entfernung kleiner aussieht.

Weiter im Einzelnen

Wer nicht nur die Klassen unterscheiden, sondern ein einzelnes Flugzeug am Himmel benennen will, arbeitet sich am besten an äußeren Merkmalen entlang:Flugzeuge erkennen führt von der Zahl der Triebwerke über das Leitwerk bis zur Form der Flügelspitze. Wo man dabei am besten steht, steht unterFlugzeuge beobachten.

Zwei Muster stehen einzeln, weil man sie über Deutschland häufiger sieht als alle anderen zusammen: der Airbus A320 und dieBoeing 737. Beide sind zweistrahlige Schmalrumpfflugzeuge derselben Größenklasse, und beide Seiten beantworten dieselbe Frage aus entgegengesetzter Richtung: woran man sie auseinanderhält.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob ein Flugzeug zwei oder vier Triebwerke hat?

Am einfachsten an der Zahl der Punkte unter dem Flügel, wenn die Maschine hoch fliegt. Vier Triebwerke sind heute selten geworden: Zweistrahler dürfen seit den ETOPS-Regeln fast jede Route fliegen und verbrauchen weniger. Wer heute vier Triebwerke sieht, sieht meist eine ältere Maschine, einen Frachter oder einen Sonderfall wie die A380.

Was ist der Unterschied zwischen Turboprop und Propellerflugzeug?

Beide haben einen Propeller, aber verschiedene Motoren. Beim klassischen Propellerflugzeug treibt ein Kolbenmotor an, ähnlich einem Automotor. Beim Turboprop treibt eine Gasturbine den Propeller, also im Kern ein Strahltriebwerk, dessen Leistung auf die Welle statt in den Schub geht. Turboprops sind deutlich stärker und klingen heller und gleichmäßiger.

Warum haben moderne Flügel nach oben gebogene Enden?

Das sind Winglets. Am Flügelende strömt Luft von der Unterseite zur Oberseite und bildet einen Wirbel, der Widerstand erzeugt. Ein Winglet verhindert das teilweise und spart je nach Muster einige Prozent Kraftstoff. Weil sie sich von Hersteller zu Hersteller unterscheiden, sind sie eines der besten Erkennungsmerkmale.

Wie hoch und wie schnell fliegt ein Verkehrsflugzeug?

Auf der Langstrecke typischerweise zwischen 10 und 12 Kilometern Höhe, bei etwa 800 bis 900 Kilometern pro Stunde über Grund, je nach Wind. Dort oben ist die Luft so dünn, dass der Widerstand gering bleibt, und man liegt über dem meisten Wetter.

Für alle übrigen Muster führt der Bestimmungsschlüssel schneller zum Ziel als eine Musterliste. Er kommt mit einer Handvoll äußerer Merkmale aus und braucht kein Vorwissen.

Wer selbst bauen statt bestimmen will, findet den Einstieg bei denPapierfliegern und imModellflug. Warum überhaupt etwas fliegt, steht unter Physik des Fliegens. Wo man die großen Muster aus der Nähe sieht, steht unterFlughäfen.