Flughafen Frankfurt am Main

Vier Start- und Landebahnen aus zwei Bauphasen, eine gerichtlich festgeschriebene Nachtruhe und ein Umsteigesystem, an dem mehr Menschen teilnehmen, als am Ort selbst ankommen oder abfliegen wollen: Das prägt den größten deutschen Flughafen mehr als jedes einzelne Terminal.

Weites Vorfeld eines Großflughafens mit Kontrollturm im Dunst

Vier Bahnen aus zwei Bauphasen

Den Kern bildet ein Parallelbahnsystem aus Centerbahn und Südbahn, beide 4.000 Meter lang und in Ost-West-Richtung angelegt. Auf ihnen kann grundsätzlich sowohl gestartet als auch gelandet werden, in der Praxis laufen auf der Centerbahn vor allem Starts, auf der Südbahn vor allem Landungen. Dazu kommt die Startbahn West, die 1984 nach jahrelangen Protesten in Betrieb ging: Sie verläuft in Nord-Süd-Richtung, ist ebenfalls 4.000 Meter lang und wird ausschließlich für Starts genutzt, und zwar nur nach Süden. Anders als die anderen Bahnen trägt sie deshalb nur eine Kennung, die 18, keine zweite für die Gegenrichtung.

2011 kam mit der Landebahn Nordwest eine vierte Bahn hinzu, 2.800 Meter lang und parallel zu den beiden ersten. Sie ist ausschließlich für Landungen bestimmt. Der Grund für diese Ergänzung war nicht mehr Fläche an sich, sondern die Trennung von Start- und Landeverkehr: Wenn ankommende und abfliegende Maschinen unterschiedliche Bahnen nutzen, muss keine der beiden Bewegungen auf die andere warten, und der Flughafen kann mehr Flugbewegungen pro Stunde abwickeln, ohne dass sich Bahnen kreuzen.

BahnKennungLängeNutzung
Centerbahn25C/07C4.000 mVor allem Starts
Südbahn25L/07R4.000 mVor allem Landungen
Startbahn West184.000 mNur Starts, nur nach Süden
Landebahn Nordwest25R/07L2.800 mNur Landungen

Die Nachtruhe ist ein Urteil, keine Kulanz

Zwischen 23 und 5 Uhr finden in Frankfurt planmäßig keine Starts und Landungen statt. Diese Kernzeit gilt seit dem Winterflugplan 2011/2012, zunächst als vorläufige gerichtliche Anordnung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, kurz bevor die neue Landebahn Nordwest in Betrieb ging. Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte das Verbot anschließend in letzter Instanz, seither ist die Sache rechtskräftig entschieden. Der zeitliche Zusammenhang ist kein Zufall: Die Kapazitätserweiterung durch die vierte Bahn und die Nachtruhe wurden im selben Verfahren verhandelt und hängen bis heute zusammen.

Ganz ohne Ausnahme ist die Kernzeit trotzdem nicht. Landungen, deren Verspätung nicht aus der Flugplangestaltung selbst folgt, dürfen bis Mitternacht noch stattfinden. Nach Mitternacht endet auch diese Kulanz, verspätete Maschinen müssen dann einen anderen Flughafen ohne Nachtflugverbot anfliegen. Unabhängig davon bleiben Notlandungen aus Wetter-, Technik- oder Sicherheitsgründen sowie Rettungs- und Katastropheneinsätze während der gesamten Nacht erlaubt.

Für den Flughafen selbst ist die Nachtruhe eine strukturelle Grenze: Anders als Leipzig/Halle oder Köln/Bonn, wo planmäßiger Nachtverkehr weiterhin möglich ist und die deshalb zu den großen Frachtstandorten wurden, kann Frankfurt sein Frachtaufkommen nicht über Nachtflüge steuern. Wer wissen will, welche Behörde für welchen Teil des Flugbetriebs zuständig ist, wird unter Behörden in der Luftfahrt fündig.

Ein Drehkreuz ist kein Reiseziel

An einem Zielflughafen steigt fast jeder Fluggast am Ort selbst aus oder ein. An einem Drehkreuz wie Frankfurt gilt das für einen erheblichen Teil der Passagiere nicht: Sie kommen aus einer Stadt und fliegen in eine andere, Frankfurt ist nur der Ort des Wechsels. Deshalb bündelt der Flugplan ankommende Zubringerflüge zu Wellen, aus denen kurz darauf eine Welle von Anschlussflügen abgeht, und ein Fluggast aus Stuttgart kann in eine Maschine nach Übersee steigen, ohne dass beide Flüge je füreinander geplant worden wären.

Damit dieses System verlässlich funktioniert, legt sowohl der Flughafen als auch jede Fluggesellschaft eine Mindestumsteigezeit fest, den kürzesten planbaren Abstand zwischen Ankunfts- und Abflugzeit. Lufthansa hat diese Zeit am eigenen Drehkreuz Frankfurt 2025 von 45 auf 60 Minuten angehoben: mehr Puffer pro Umstieg gegen weniger verpasste Anschlüsse. An einem Drehkreuz trifft eine Verspätung deshalb nicht nur die Passagiere des betroffenen Flugs, sondern jeden, dessen Anschluss darauf aufbaut.

Fernbahnhof und Regionalbahnhof sind zwei verschiedene Stationen:Wer sein Zugticket nicht genau liest, läuft am falschen Bahnsteig los. Beide tragen „Frankfurt Flughafen“ im Namen, liegen aber an unterschiedlichen Stellen des Geländes und sind für unterschiedliche Züge gebaut. Diese Verwechslung ist der häufigste Anreisefehler am Frankfurter Flughafen, und sie kostet im schlechtesten Fall genau die Minuten, die für den Anschluss fehlen.

Zwei Bahnhöfe mit demselben Namen im Ticket

Regionalbahnhof
Liegt im Untergeschoss von Terminal 1 und ist von dort direkt über Rolltreppen und Aufzüge erreichbar. Hier halten S-Bahn sowie Regionalzüge in Richtung Frankfurt, Offenbach, Hanau, Aschaffenburg, Rüsselsheim, Mainz und Wiesbaden.
Fernbahnhof
Seit 1999 in Betrieb und für ICE- und IC-Verbindungen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem benachbarten Ausland gebaut. Er liegt ein Stück vom Terminal entfernt; wer dort ankommt und ins Terminal will, braucht für den Fußweg einige Minuten mehr ein, als es die Namensähnlichkeit beider Bahnhöfe vermuten lässt.

Mit dem Auto ist der Flughafen aus allen Richtungen über die Autobahnen A3, A5 und A67 zu erreichen, die zentrale Kreuzung ist das Frankfurter Kreuz, an dem A3 und A5 aufeinandertreffen. Von dort führt die Beschilderung direkt zu den Parkhäusern der einzelnen Terminals.

Ein drittes Terminal verändert die Verteilung

Seit April 2026 ergänzt Terminal 3 die beiden bestehenden Gebäude, südlich der Startbahn West auf dem Gelände der früheren Rhein-Main Air Base, die die Vereinigten Staaten 2005 aufgaben. Mit der Inbetriebnahme hat sich verschoben, welche Fluggesellschaften und Strecken von welchem Gebäude abgewickelt werden, so wie schon bei früheren Erweiterungen. Wer das für einen konkreten Flug wissen muss, findet die aktuelle Zuordnung bei der Fluggesellschaft oder auf der Seite des Betreibers.

Zuschauen: von der Terrasse bis zum Bahnende

Frankfurt hatte lange eine kostenfreie, ohne Sicherheitskontrolle zugängliche Besucherterrasse am Terminal, dazu ein kostenpflichtiges Besucherzentrum mit Rundfahrten übers Vorfeld. Ob und in welchem Umfang die Terrasse gerade geöffnet ist, hängt am laufenden Umbau rund um das neue Terminal 3 und wechselt phasenweise; ein Blick auf die Seite des Betreibers am Vortag erspart die vergebliche Anfahrt. Welcher Aussichtspunkt an einem Tag der bessere ist, entscheidet ohnehin die Betriebsrichtung und der Sonnenstand, nicht die Terrasse allein; wie man beides vorher bestimmt, steht unterFlugzeuge beobachten. Wer sich für die Unternehmen hinter dem Flugbetrieb interessiert, wird unterLuftfahrtbranche fündig.

Häufige Fragen

Heißt der Flughafen Frankfurt oder Rhein-Main?

Offiziell heißt er Flughafen Frankfurt am Main, der Name Rhein-Main hält sich trotzdem hartnäckig. Er stammt von der Rhein-Main Air Base, dem US-Luftwaffenstützpunkt, der bis 2005 den südlichen Teil des Geländes belegte und dessen Namen viele Anwohner und ältere Fahrpläne bis heute für den ganzen Flughafen verwenden.

Ist Frankfurt der größte Flughafen Europas?

Nein, nach Passagieren liegen London Heathrow, Istanbul und Paris-Charles-de-Gaulle regelmäßig davor. Frankfurt ist der größte Flughafen Deutschlands und, gemessen an der Fracht, üblicherweise die Nummer eins in Europa. Beide Rangordnungen ändern sich von Jahr zu Jahr etwas, das grobe Bild aber kaum.

Ist der Flughafen Frankfurt-Hahn dasselbe wie der Flughafen Frankfurt?

Nein, das sind zwei völlig unterschiedliche Standorte. Frankfurt-Hahn, mit IATA-Code HHN und offiziell seit einigen Jahren nur noch Hahn Airport genannt, liegt im Hunsrück in Rheinland-Pfalz, gut 100 Kilometer von der Stadt Frankfurt entfernt, und wird vor allem von Billigfluggesellschaften bedient. Ein Gericht stufte die Bezeichnung bereits 2002 als irreführend ein, verwendet wird sie trotzdem weiter. Wer ein günstiges Ticket nach „Frankfurt“ bucht, sollte deshalb genau auf den Flughafencode achten.

Muss ich beim Umsteigen in Frankfurt noch mal durch die Sicherheitskontrolle?

Das hängt davon ab, ob Herkunfts- und Zielflug innerhalb des Schengen-Raums liegen. Bleiben beide Flüge im Schengen-Raum, geht es meist ohne erneute Grenz- und Sicherheitskontrolle direkt zum nächsten Gate. Kommt oder geht mindestens ein Flug außerhalb des Schengen-Raums, ist eine weitere Kontrolle wahrscheinlich, weil der Sicherheitsbereich in getrennte Zonen aufgeteilt ist.

Wie kommt man am Flughafen Frankfurt zwischen den Gebäuden hin und her?

Über eine werkseigene, fahrerlose Bahn, die die Terminals und Flugsteige verbindet und die für Fluggäste kostenfrei ist. Wer im Sicherheitsbereich umsteigt, wird ohnehin über die passende Route zum Anschlussgate geleitet. Wer den Sicherheitsbereich verlässt, etwa für einen Terminalwechsel vor dem Check-in, braucht dafür spürbar mehr Zeit als der reine Fahrweg.

Rechtliche Angaben ohne Gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Maßgeblich für das Nachtflugverbot sind der Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Flughafens Frankfurt sowie die Entscheidungen des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs und des Bundesverwaltungsgerichts. Öffnungszeiten, Zugänglichkeit und Entgelte von Besuchereinrichtungen ändern sich; verbindlich ist die Auskunft der Fraport AG als Flughafenbetreiber.